Aktuelle Nachrichten

Karthago

Naturwissenschaftliche Ergebnisse belegen Gründung Karthagos zur Zeit der mythischen Ansiedlung durch Prinzessin Dido

Die Angaben antiker Historiker wie Timaios von Tauromenion und Menander von Ephesos zur Gründungszeit von Karthago werden durch neueste Forschungsergebnisse bestätigt - das Stadtgebiet war bereits in der zweiten Hälfte des 9. Jahrhunderts v. Chr. besiedelt. Dies ergab die Datierung von Rinderknochen aus den ältesten Siedlungsschichten.

Im Rahmen der Erforschung der antiken Mittelmeermetropole Karthago durch das Deutsche Archäologische Institut (Rom) und das Institute National du Patrimoine (Tunis) konnte in enger Zusammenarbeit mit Tübinger Wissenschaftlern des SFB 1070 RessourcenKulturen eine 14C-Datierungsreihe zur Untersuchung der Siedlungschronologie der frühen phönizischen Stadt durchgeführt werden.

Dabei wurden u.a. Rinderknochen aus den ältesten Siedlungsschichten im Grabungsareal an der Rue Ibn Chabâat untersucht, dem »Quartier Didon», einem Wohnviertel mit hochaufragend erhaltener, archaischer Bebauung in der Küstenebene der phönizischen Stadt. Die 14C-Untersuchungen dieser Knochen aus dem archaischen Siedlungsareal erbrachten durchgehend Datierungen, die in die Zeit zwischen 850 und 800 v. Chr. weisen.
Die Datierungen fallen damit in jene Zeit, die antike Historiker für die Gründung Karthagos ansetzen: nach Timaios von Tauromenion im 38. Jahr vor der ersten Olympiade (814/13 v. Chr.), nach Menander von Ephesos, der sich auf Dokumente aus Karthagos Mutterstadt Tyros beruft, im siebten Regierungsjahr des tyrischen Königs Pygmalion (zwischen 825 und 820 v. Chr.). Da die methodisch voneinander unabhängigen historischen und naturwissenschaftlichen Datierungsverfahren sich gegenseitig stützen, kann nun mit einiger Sicherheit davon ausgegangen werden, dass das Gebiet Karthagos bereits in der 2. Hälfte des 9. Jhs. besiedelt war.

Das »Quartier Didon«, wie das Grabungsareal an der Rue Ibn Chabâat zukünftig genannt werden wird, bietet aufgrund der hervorragenden Erhaltung gerade der archaischen Befunde einen für Karthago einzigartigen Einblick in die Frühphase der Siedlungsgeschichte der phönizischen Kolonie. Hier waren auf einer Fläche von knapp 550 m² bereits von Friedrich Rakob in den 1990er Jahren die Reste mehrerer archaischer Bauten freigelegt worden, die sich über einer Planierungsschicht aus Lehm erheben, mit der das zum Meer hin abfallende Siedlungsareal erschlossen wurde.

Nach neueren Forschungen handelt es sich bei diesen Baustrukturen um mindestens drei Häuser, deren Räume sich um Innenhöfe gruppieren und die über gemeinsame Außenmauern zu größeren Baueinheiten zusammengefasst werden. In den aus Kalkstein- und verputzten Lehmziegelmauern errichteten Häusern fanden sich mehrere Brunnen, Feuerstellen und Öfen, die einen Einblick in das Leben der phönizischen Kolonisten erlauben. Die einheitliche Orientierung der Häuser, die durch die Nutzung gemeinsamer Mauern deutlich wird, lässt bereits für die frühesten Bauten des „Quartier Didon« auf eine einheitliche städtebauliche Planung schließen. Dieses stadtplanerische Konzept wird auch in den folgenden archaischen Bauphasen beibehalten. So lassen sich vielfache Umbauten und Geländeaufhöhungen in den Häusern nachweisen, die gründungszeitliche Orientierung der Bauten bleibt jedoch erhalten.

Die neuen Forschungen belegen nachdrücklich, dass Karthago von Beginn an in das Netzwerk der phönizischen Niederlassungen im zentralen und westlichen Mittelmeerraum integriert war, wie das reiche Fundmaterial der Grabungen zeigt. Neben lokal gefertigten Keramiken, belegen importierte Gefäße aus Spanien, Griechenland und dem östlichen Mittelmeer die weitreichenden Beziehungen der Siedler

Pompeji Aktuell

Einstürzende Altbauten bedrohen Weltkulturerbe Pompeji

Jahrhunderte lang war das zerstörte Pompeji durch die Vulkanasche „geschützt“. Mit den Ausgrabungen begann der schleichende Verfall der Überreste. Diesen Zustand nahm man als normal hin und unternahm nur die dringendsten Schutzmaßnahmen. Nachdem im November 2010 Gebäude einstürzten, wurde die Kulturwelt aufgerüttelt.. Obwohl man es hätte voraussehen müssen, kam es in Pompeji zum ersten Kollaps eines herausragenden Baudenkmals, der selbstverständlich weltweit beachtet wurde.

Es sind nunmehr 4 Jahre her, als  die Schola Armatorum mit lautem Getöse in sich zusammenfiel. Dieses Militärkollegium, in dem sich zu antiker Zeit auch ein Waffenlager befunden hat, ist eines der bekanntesten Gebäude der Stadt (Abb.)

 

Pompeji Einsturz der Scola Armatorum

Nach etlichen weiteren Einstürzen von Gebäuden mussten sich die Besucher an Absperrungen und notdürftig abgestützte Mauern gewöhnen.

Erst im Jahre 2012 wurde das Projekt „Grande Progetto Pompeji“ aus der Taufe gehoben. Mit 105 Millionen Euro soll Pompeji vor dem zweiten Untergang gerettet werden; 42 Mio. Euro gibt die EU dazu. Die Frage ist nicht nur, ob das Geld reicht, sondern auch, ob ein großer Teil nicht in der von der Camorra in weiten Teilen kontrollierten Wirtschaft um Neapel versickert. Vielleicht hilft es, dass Kulturminister Dari Franceschini an die Schaltstellen unbelastete Fachleute gestellt hat.

Nunmehr amtiert Massimo Osanna (Abb.) seit März 2014 als Leiter der "Soprintendenza Speciale per i Beni Archeologici di Pompei, Ercolano e Stabia", als Pompejis oberster Denkmalpfleger.

Massimao Osanna

Sein Ziel ist, Pompeji dauerhaft zu sichern. Aber dabei geht es nicht allein um Restaurationen, sondern auch um organisatorische Lösungen. So soll es künftig keine Massenveranstaltungen mehr im Amphitheater geben.

Der Bereich von Pompeji, der nicht ausgegraben ist, muss dringend mit einer Kanalisation entwässert werden, sonst kann das Terrain ins Rutschen kommen und Teile der Ausgrabungen verschütten.

Die Nachrichten von den einstürzenden Altbauten am Fuße des Vesuvs haben das Interesse des Publikums nicht gemindert, eher im Gegenteil: 2, 3 Millionen Besucher jährlich nehmen das Gelände außerordentlich in Anspruch. Noch in diesem Jahr wird die 3-Millionen-Marke überschritten. Das Gute daran ist, dass die Soprintendenza die Einnahmen aus den Eintrittsgeldern (11 Euro /Tag) behalten kann. Zudem wurde der freie Eintritt für Senioren abgeschafft, dafür gilt an jedem ersten Sonntag im Monat der freie Eintritt für alle. Der Erfolg ist ebenso eindrucksvoll wie furchterregend, so drängten sich zum Beispiel am ersten Septembersonntag 18.300 Menschen auf der Ausgrabungsstätte. Möglicherweise könnte man die Besucherströme durch Zeitfenster im Griff halten.

"Mit dem großen Projekt reagieren wir auf einen Notstand, aber in Zukunft müssen wir so etwas von vornherein verhindern. Pompeji ist eine Aufgabe, die uns ständig fordert. Wir brauchen Experten, die die Substanz Tag für Tag beobachten und sofort auf Schäden reagieren", sagt Massimo Osanna. Brauchen Sie vielleicht eine Art Bauhütte? "Genau das ist es", sagt der Archäologe zum Abschied: "Dieses deutsche Wort trifft es vielleicht am besten." (Quelle: Hamburger Abendblatt, 16.11.2014)

Seit 1997 gehört die antike römische Stadt zum weltkulturerbe. Es bleibt die Hoffnung, dass dieses Erbe den künftigen Generationen erhalten bleibt.

Pompeji am Hamburger Rathausmarkt

Mit Original-Wandmalereien und Kunstwerken, die aus dem Archäologischen Nationalmuseums Neapel stammen, vermittelt die Ausstellung "Pompeji. Götter, Mythen, Menschen" im Bucerius Kunst Forum (Rathausmarkt, Hamburg) einen Eindruck von Luxus und Kunst der antiken Stadt, die 79 n. Chr. beim Ausbruch des Vesuvs unterging. Im Mittelpunkt steht die Rekonstruktion der Casa del Citarista, die an der Kreuzung der beiden Hauptgeschäftsstraßen, der Via dell'Abbondanza und der Via Stabiana liegt und zu den größten und prächtigsten Stadtpalästen in Pompeji gehörte. Die Schau, die zugleich einen Einblick in die Entwicklung der römischen Wandmalerei gibt, läuft bis zum 11. Januar, ist täglich 11 bis 19 und donnerstags bis 21 Uhr geöffnet.

Antiker Hafen von Salamis entdeckt

Die Schlacht von Sa­la­mis im Jahr 480 v. Chr. gilt als ei­ne der be­deu­tends­ten See­schlach­ten der An­ti­ke. Jetzt ha­ben Ar­chäo­lo­gen die Über­res­te des Ha­fens von Sa­la­mis ent­deckt - dem Ha­fen, in dem sich die grie­chi­sche Flot­te vor ih­rem Kampf ge­gen die Per­ser sam­mel­te. In der Bucht von Am­belak­ia sind die Rui­nen al­ter Be­fes­ti­gun­gen, Ha­fen­an­la­gen und Ge­bäu­de im fla­chen Was­ser er­hal­ten.

Die gro­ße See­schlacht

In der Schlacht von Sa­la­mis im Jahr 480 v. Chr. kämpf­te ei­ne Al­li­anz grie­chi­scher Stadt­staa­ten un­ter The­mis­to­cles ge­gen die Per­ser un­ter Kö­nig Xer­xes. Ort des Ge­sche­hens war da­bei die Meer­en­ge zwi­schen dem grie­chi­schen Fest­land na­he Athen und der In­sel Sa­la­mis. Nach An­ga­ben des Ge­schichts­schrei­bers He­ro­dot wa­ren die Grie­chen bei die­ser See­schlacht stark in der Un­ter­zahl: Ih­ren 378 Tri­re­men stan­den 1207 Tri­re­men der Per­ser und ih­rer Ver­bün­de­ten ge­gen­über. Dank ei­ner Kriegs­list ge­lang es den Ver­tei­di­gern aber den­noch, die per­si­sche Flot­te zu be­sie­gen.

Jetzt hat ein grie­chi­sches Ar­chäo­lo­gen­team die Über­res­te des Ha­fens von Sa­la­mis ent­deckt - des Ha­fens, in dem sich da­mals die grie­chi­sche Flot­te vor der Schlacht ge­gen die Per­ser sam­mel­te. Der Ha­fen von Sa­la­mis war nach den drei Hä­fen von Pi­rä­us der größ­te und Athen am nächs­ten ge­le­ge­ne des an­ti­ken Grie­chen­lands.

Fund in der Bucht von Am­belak­ia

Die For­scher hat­ten be­reits im No­vem­ber 2016 mit Tauch­gän­gen und Aus­gra­bun­gen in der Bucht von Am­belak­ia an der Ost­küs­te der In­sel be­gon­nen. Da­bei sind sie an drei Stel­len der Bucht fün­dig ge­wor­den. Im fla­chen Was­ser fan­den sich Über­res­te von Hafenanlagen, Be­fes­ti­gungs­mau­ern und meh­re­ren Ge­bäu­den, wie das grie­chi­sche Kul­tur­mi­nis­te­ri­um be­rich­tet. Die­se Fun­de sei­en von er­heb­li­cher his­to­ri­scher Be­deu­tung für die Ar­chäo­lo­gie und das an­ti­ke Grie­chen­land.

"Es han­delt sich um den Han­dels-​ und wahr­schein­lich auch Kriegs­ha­fen der Stadt Sa­la­mis in der klas­si­schen und hel­le­nis­ti­schen Epo­che", heißt es in der Mit­tei­lung des Kul­tur­mi­nis­te­ri­ums. Von die­sem Ha­fen zeu­gen un­ter an­de­rem Auf­zeich­nun­gen der an­ti­ken Geo­gra­phen Sky­la­kos, Stra­vo­nas und Pau­sa­ni­as. "Es ist auch der Ort, an dem sich zu­min­dest ein Teil der ver­ein­ten grie­chi­schen Flot­te am Vor­abend der gro­ßen Schlacht von 480 v.Chr. sam­mel­te."

Die Ar­chäo­lo­gen ha­ben die bis­her ent­deck­ten Rui­nen be­reits mit­tels Luft­bil­dern und Fotogrammmetrie ver­mes­sen und ih­re To­po­lo­gie so­wie die ar­chi­tek­to­ni­sche Struk­tur do­ku­men­tiert. "Ba­sie­rend auf die­sen Da­ten, wur­de nun die ers­te Kar­te die­ses Ge­biets er­stellt", be­rich­tet das Kul­tur­mi­nis­te­ri­um. "Die­se Kar­te wird Grund­la­ge für wei­te­re For­schung in den kom­men­den Jah­ren sein." Die For­scher ar­bei­ten zu­dem be­reits an ei­ner di­gi­ta­len Re­kon­struk­ti­on der an­ti­ken Ha­fen­an­la­gen.

22.03.2017, Quelle: Ministry of Culture and Sports, Ancient Origins

 

 


Santorin vor dem endgültigen Untergang?

Santorin

 

 

 

 

Reisende in die Ägäis sind immer wieder gespannt, zu erfahren wie die Insel Santorin (gr. Σαντορίνη)) vor rund 3600 Jahren durch einen Vulkanausbruch regelrecht zerfetzt worden war. Diese Ausbruch  beeinträchtige das Leben im gesamten Mittelmeerraum und in besonderem Maße Ägypten.

Santorin (Akrotiri) droht sein katastrophales Schicksal erneut einzuholen: Erdbeben und Verfall könnten die Ausgrabungsstätte auf der griechischen Vulkaninsel Santorin bald unwiederbringlich zerstören.

Eine internationale Gruppe von Forschern hat die gesamte Ausgrabungsstätte der bronzezeitlichen Siedlung Akrotiri auf der Kykladen-Insel Santorin mit Hilfe neuester Laserscanner-Technologie digitalisiert. Mit dieser Technik lassen sich der Innen- und Außenbereich ganzer Gebäude berührungslos mit Millimetergenauigkeit digital erfassen. In Kombination mit modernsten fotogrammetrischen Methoden wurde die Ausgrabungsstätte vollständig fotorealistisch dokumentiert und somit im Falle einer Zerstörung zumindest digital bewahrt.

 In weiterer Folge hat Michael Klein, Experte in den Bereichen der 3D-Rekonstruktion und -Animation Teile von Akrotiri am Computer realistisch rekonstruiert. Diese 3D-Visualisierun­gen ermöglichen eine neuartige virtuelle Erforschung wie auch den simulierten Besuch in vergangenen Zeiten dieses einst so prächtigen Ortes.

Ähnlich seinem Schicksalsgenossen Pompeii, jedoch über 1000 Jahre älter, bietet Akrotiri  einzigartige Einblicke in die Welt und Kultur der Bronzezeit in der Ägäis. Mächtige Schichten von Bimsstein und Vulkanasche haben komplette Siedlungsareale Akrotiris während der Blütezeit der Stadt in einem exzellenten Zustand konserviert. So konnten griechische Archäologen seit 1967 bis zu drei Stockwerke hohe erhaltene Häuser, einmalige Wandmalereien und tausende archäologische Fundobjekte freilegen.

Die bestmögliche Bewahrung des einzigartigen Kulturerbes in Akrotiri ist von außerordentlicher archäologischer Bedeutung. Denn Erdbeben und Vulkanismus können in dieser seismisch höchst aktiven Zone das einmalige Kulturdenkmal jederzeit in einen buchstäblichen Steinhaufen verwandeln. Außerdem behindern die rigiden Sparmaßnahmen in Griechenland die Durchführung dringend notwendiger Restaurierungs- und Erhaltungsmaßnahmen der vom Verfall bedrohten Fresken und Architektur.

Mehr in:

http://www.archaeologie-online.de/magazin/nachrichten/forschungsinitiative-und-national-geographic-sichern-digital-das-bedrohte-kulturerbe-akrotiri-30636/

Auch in National Geografic Deutschland VI/2014

 

Unten: Restauration der Insel Santorin vor dem Vulkanausbruch in minoischer Zeit (ca. 1615 BC mit einem Querschnitt durch die geografischen schichten ( © 7reasons Michael Klein)Santorin vor dem Vulkanausbruch

 

Restaurierung des Hadrianstempels in Ephesos begonnen

Hadrianstempel in Ephesos

Der Hadrianstempel ist eines der bekanntesten Monumente der antiken Metropole von Ephesos. Er wurde nach seiner Entdeckung in den 1950er-Jahren mit erhaltenen Bauteilen wieder aufgebaut. Durch Witterungseinflüsse hat sich sein Zustand in den letzten Jahren jedoch massiv verschlechtert. Daher hat das Österreichische Archäologische Institut (ÖAI) mit Unterstützung des J. M. Kaplan Fund ein umfassendes Restaurierungsprojekt gestartet.

In den nächsten Monaten wird den Besuchern der Grabung Ephesos der Zugang zum Hadrianstempel versperrt bleiben. Seit Mitte September arbeitet ein Restaurierungsteam des ÖAI intensiv an der Restaurierung und Konsolidierung des antiken Monuments. Nach der Genehmigung durch die türkische Denkmalschutzbehörde konnte mit den dringend notwendigen Maßnahmen begonnen werden. Das Projekt wird durch die großzügige Unterstützung des US-amerikanischen J. M. Kaplan Funds sowie durch Mittel des ÖAI ermöglicht.

Das kleine, tempelähnliche Gebäude, das entlang der Kuretenstraße – der Prachtstrasse von Ephesos – liegt, wurde im Jahr 117/118 n. Chr. gestiftet. Seine ursprüngliche Funktion ist ungeklärt. Die Annahme, dass es sich um den offiziellen Kulttempel für Kaiser Hadrian handelt, für dessen Errichtung Ephesos die Erlaubnis erhielt, ist heute widerlegt, lebt aber in der heute noch verwendeten Bezeichnung als Hadrianstempel weiter.

In den 1950er-Jahren wurde der Hadrianstempel ausgegraben und kurz darauf wieder aufgebaut. Bei dieser Wiedererrichtung, einer sogenannten Anastylose, wurden die originalen noch erhaltenen Bauteile verwendet und nur in Ausnahmefällen neue Materialien, wie Betone, eingebracht. Heute zählt der Hadrianstempel neben der Celsusbibliothek und den Hanghäusern zu den bekanntesten Monumenten und beliebtesten Fotomotiven der antiken Metropole. Die Anastylose zeigt sich heute mit einem mannigfaltigen Schadensbild in sämtlichen Bereichen, sowohl der historischen als auch der verwendeten modernen Materialien, und befindet sich in einem schlechten Erhaltungszustand. Diese Entwicklung wird noch dadurch verstärkt, dass antike Gebäude ursprünglich ein Dach hatten, das den heutigen Anastylosen aber meist fehlt. Damit sind sie allen Witterungseinflüssen ungeschützt ausgesetzt. Sabine Ladstätter, Leiterin der Grabung Ephesos und Direktorin des Österreichischen Archäologischen Instituts: "Ausgegrabene Objekte und wieder errichtete Monumente brauchen eine permanente Wartung, dies wird häufig vergessen. Man gräbt aus, man restauriert und dann überlässt man den Bestand der Zeit und de facto auch wieder dem langsamen Verfall. Ein restauratorisches Monitoring archäologischer Stätten ist daher ein dringendes Muss, um kostenintensive Folgeschäden schon vorab zu vermeiden. In Ephesos werden nun sukzessive alle wieder errichteten Gebäude genau untersucht und alle notwendigen Maßnahmen eingeleitet."

Eines der Hauptproblemfelder am Hadrianstempel ist die Korrosion der Eisenelemente, die im Zuge der Anastylose zur Verbindung und Verstärkung der Marmorblöcke und als Bewehrungsstahl des Betons eingebracht wurden. Nach über 50 Jahren freier Bewitterung haben sich einzelne Eisenelemente fast vollständig aufgelöst und gefährden die Standfestigkeit des Tempels. Außerdem übt der Korrosionsprozess eine starke Sprengwirkung im angrenzenden Marmor bzw. Beton aus. Die Folge sind Rissbildungen in diesen Materialien mit der einhergehenden Gefahr von abfallenden Teilen. Dies stellt eine ernsthafte Gefahr für die Besucher der Grabung Ephesos dar. Ein zweites maßgebliches Schadensbild des Tempels ist der Verfall der Marmoroberfläche, der sogenannte Zuckerzerfall. Bei diesem häufigen Verwitterungsphänomen, das durch Temperaturunterschiede verursacht wird, zersetzt sich die ursprünglich glatte Marmoroberfläche langsam und zerfällt in kleine Körner.

Die wesentlichen Restaurierungsmaßnahmen bestehen daher aus dem Ersatz der Eisenverbindungen im Bereich des antiken Marmormauerwerks, der Verbesserung des Wasserhaushalts, der statischen Sicherung gefährdeter Bereiche und der Konservierung sämtlicher Materialien. Martin Pliessnig, leitender Restaurator des Projekts Hadriantempel: "Das Hauptaugenmerk des Restaurierungskonzepts besteht in der Konservierung der überlieferten Struktur. Es gilt die Lebensdauer des Kulturguts zu verlängern und die hohe Qualität der Oberflächengestaltung auch für zukünftige Generationen zu erhalten. Vorhandene Schäden werden nach dem aktuellen Wissenstand der Denkmalpflege behoben und zukünftige bestmöglich vermieden."

Die Arbeiten wurden extra in die Wintermonate gelegt, um den Tempel für die nächste Touristensaison wieder fit zu machen. Für Besucher soll der Hadrianstempel im Juli 2014 wieder geöffnet werden.

 

Quelle: Österreichisches Archäologisches Institut (ÖAI)

 

Pompeji der Bronzezeit

30.07.2013

von Alessandra Giumlia-Mair

Die sensationelle Fundstätte in Nola, die vor einem Jahrzehnt teilweise ausgegraben wurde, soll nun doch offen zugänglich belieben. Darauf verständigten sich die zuständigen Beamten des Denkmalamtes und der Region Kampanien. Die frühbronzezeitlichen Hütten, die an der Grenze der Gemeinden Nola und Saviano zwischen 1860 und 1680 v. Chr. von der Vesuveruption verschüttet und nach der Grabung immer wieder von Grundwasser überschwemmt wurden, sollen nun weiter ausgegraben und untersucht werden.

Bisher fanden sich Abdrücke von drei Hütten aus Holz und Stroh. Die Gebäude mit hufförmigem Grundriss waren innen durch Holzwände in zwei oder drei Räume gegliedert. In der Apsis waren Vorräte in großen Gefäßen verstaut. Im zentralen Raum befanden sich ein Herd, ein Backofen und mehrere Gruben, die vielleicht als Stauraum dienten. In einem kleineren Gebäude waren trächtige Schafe untergebracht, während die Hammel draußen angebunden waren. Bei der Grabung wurden keine menschlichen Reste geborgen, die Bewohner der Hütten scheinen geflüchtet zu sein, nachdem sie die Tiere ein letztes Mal versorgt hatten.

Quelle:http://www.aid-magazin.de/Nachricht.89+M5ae0259f7b2.0.html?&L=0%252C

 

Ehrenplätze für Doping-Hersteller

19.07.2013 -   FAU / AB

Taucht ein Dopingverdacht auf, will keiner etwas gewusst haben – weder der Sportler noch seine Betreuer oder die Hersteller der verbotenen Mittel. Ganz anders war es in der Antike: Bereits damals wurde bei Wettkämpfen gedopt – mit Stierblut, Alkohol, Mohn oder Pilzen. Und im Gegensatz zu heute genossen die Hersteller leistungssteigernder Substanzen damals vermutlich ein hohes gesellschaftliches Ansehen. Zu diesem Schluss kommen Wissenschaftler der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) aufgrund von Ausgrabungen der antiken Stadt Magnesia am Mäander in der heutigen Türkei.

Immer wieder wird im Zusammenhang mit Doping in der Antike die Alraunwurzel erwähnt. Diese giftige Pflanze – lateinische Bezeichnung Mandragora – galt in der Antike als Zaubermittel, dem ganz unterschiedlichen Kräfte zugeschrieben wurden. FAU-Historiker haben gemeinsam mit türkischen Kollegen der Universität Ankara einen sehr konkreten Hinweis darauf gefunden, dass die Leistung mit Hilfe von Mandragora gesteigert wurde. Bei Ausgrabungen im ehemals griechischen Stadion Magnesia im Südwesten der Türkei sind die Forscher auf zahlreiche Inschriften gestoßen, mit denen Podeste und Sitzbänke versehen sind. In einem besonders repräsentativen Abschnitt des Stadions, nämlich im Stadionrund und dort zum Teil auf Ehrensitzen, haben die Forscher eine Inschrift für eine Gruppe gefunden, die sich als Mandragoreitoi bezeichnet. Ein Dorf in der Nähe von Magnesia wurde Mandragoreis genannt – nach der Pflanze, die dort angebaut wurde: Mandragora. Prof. Dr. Boris Dreyer, Professur für Alte Geschichte, ist sich sicher, dass sie dieses Privileg erhielten, weil sie mit ihrer Ware einheimischen Sportlern zu Erfolgen verholfen haben: »Mit Doping hatten die Griechen ganz offensichtlich keine Probleme.«

Neben den Alraun-Züchtern wurden die besonders attraktiven Plätze in den oberen Reihen beispielsweise von Priestern und städtischen Beamten belegt, es gab Ehrensitze für Repräsentanten anderer Städte und Provinzen, spezielle Bereiche für Gartenpfleger, Brotbäcker, Vogelverkäufer und politische Aktionsgruppen. »Diese Beschriftungen, die in ihrer Art und in ihrem Erhaltungszustand ohne Beispiel sind, geben uns Aufschluss darüber, wie die Sport- und Kulturveranstaltungen organisiert waren und welche gesellschaftliche Stellung die Besucher hatten«, erklärt Dreyer.

Quelle: Lehrstuhl und Professur für Alte Geschichte der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

 

 07.07.2013

Katastrophaler als vermutet: Steinzeitlicher Vulkanausbruch verwüstete Südosteuropa

03.07.2013 -   MPI EVA / Uni Bayreuth / AB

 

Phlegräische Felder

Phlegräische Felder (Foto: Przesang)

Vor etwa 40.000 Jahren wurde ein großer Teil Europas durch einen Vulkanausbruch verwüstet, der in den phlegräischen Feldern (Campi Flegrei) westlich von Neapel stattfand. Vor Ort zeugen noch Ablagerungen von dem Ereignis, die als »Kampanischer Ignimbrit« bekannt sind. Durch den Vulkanausbruch wurde Asche in die höheren Bereiche der Atmosphäre geschleudert und weit nach Osteuropa getragen. Neue Daten aus Urluia in Rumänien zeigen, dass die Vulkanasche-Ablagerungen in der Steppenlandschaft der Unteren Donau bis zu zehn Mal mächtiger sind als bisher angenommen. Der Ausbruch des Supervulkans, der folglich viel stärker war als berechnet, hatte Auswirkungen auf die Evolution des Menschen in einer Zeit, als moderne Menschen Europa besiedelten und die Neandertaler-Populationen zu schrumpfen begannen. Weiterlesen

 
04.07.2013

Kolosseum in Farbe

von Alessandra Giumlia-Mair

Die innere Galerie im dritten Stock des Kolosseums wird seit letzten Oktober restauriert. Archäologen und Restauratoren haben hier einige Quadratmeter der noch intakten polychromen Wanddekorationen entdeckt, die einst die Innenwände des Kolosseums schmückten. Diese Entdeckung ist besonders wichtig, weil sich dadurch erstmals das originale Aussehen des flavischen Amphitheaters rekonstruieren lässt.

 

Die Außenfassade war mit weißen Marmorplatten verkleidet, die Innenwände bestanden aus roten und schwarzen Travertinplatten. Travertin ist porös und kann verschiedene Farben annehmen. Am häufigsten ist er gelblich bis braun, wenn er Limonit absorbiert hat. Ist Hämatit in der Nähe vorhanden, wird er rötlich bis rot bzw. schwarz, wenn die Präsenz dieses Oxids intensiver ist. Zwischen den roten und schwarzen Travertinplatten in der Galerie des Kolosseums gab es blaue Felder, die sich durch Beimengung von Azurit (Bergblau, Kupferkarbonat) zum Verputz erreichen ließen. Azurit war in der Antike ein beliebtes und weit verbreitetes Farbpigment, das sowohl von den Ägyptern als auch später von mittelalterlichen Mönchen vielfach verwendet wurde.

Zwei Unheil abwehrende Phallusdekorationen, die vermutlich aus der Zeit nach dem Brand im Jahre 217 n. Chr. stammen, und verschiedene Graffitos wurden ebenfalls dokumentiert. Die Originalgraffitos preisen die Gladiatoren und ihre Taten mit Palmenzweig-, Kranz-, Schwertklingen- und Pfeilverzierungen.

Von den insgesamt 100 m² Wanddekoration sind bisher ca. 60 m² restauriert. Im nächsten Sommer soll die bisher dem Publikum unbekannte Galerie des Kolosseums für Besucher zugänglich gemacht werden

(Quelle: Archäologie in Deutschland AiD)

 

Colosseum in Rom - Schnittzeichnung

 Schnittzeichnung aus dem Lexikon der gesamten Technik (1904) von Otto Lueger

 

UNESCO fordert sofortige Sanierung Pompejis

Der weltbekannten Ausgrabungsstätte Pompeji bei Neapel droht der Verlust ihres Status als UNESCO-Welterbe, sollte die Regierung in Rom bis Ende Dezember die dringlichsten Restaurierungsarbeiten nicht umsetzen.

Die UNO-Kulturorganisation will sich bis 1. Februar 2014 Zeit nehmen, um zu bewerten, ob die Schritte zur Sanierung des archäologischen Geländes reichen, sagte der Präsident der italienischen UNESCO-Kommission, Giovanni Puglisi. Italiens Kulturminister Massimo Bray versicherte, dass bis 2015 39 Baustellen zur Rettung der Ausgrabungsstätten wieder zugänglich sein sollen.Ich möchte aber die Besucherinnen und Besucher nicht auf Baustellen führen, sondern ihnen zeigen, wie die Bauten im Jahre 79 nach dem Vesuvausbruch aussahen.

Nach der Wiederentdeckung der altrömischen Stadt im 18. Jahrhundert waren 44 Hektar (etwa 1/3 der gesamten alten Stadt) ) der unter dem Auswurf zu großen Teilen gut erhaltenen Stadtanlage freigelegt worden.

Europäische und italienische Fördermittel in Höhe von 105 Millionen Euro waren für die Restaurierung des UNESCO-Welterbes schon am 29. März 2012 bereitgestellt worden (EFRE).

Ende Oktober 2011 war die weltbekannte archäologische Stätte bei sintflutartigen Regenfällen stark beschädigt worden, nachdem bereits 2010 heftige Stürme Teile zum Einsturz gebracht hatten. Das genehmigte Großprojekt wurde auf Ersuchen der italienischen Behörden und auf Grundlage eines mit der Kommission vereinbarten Aktionsplans aufgelegt.

Die Finanzmittel werden im Rahmen des Programms „Attrattori culturali, naturali e turismo” für den Zeitraum 2007‑2013 gewährt und sollen Kultur- und Naturdenkmälern sowie touristischen Sehenswürdigkeiten in den Regionen Kampanien, Apulien, Kalabrien und Sizilien zugutekommen. Durch eine Abänderung des Programms wurden Mittel in das genannte Projekt umgeleitet.

Im Zeitraum 2000‑2006 wurden im Rahmen der europäischen Regionalpolitik auf dem Gelände von Pompeji bereits 22 Restaurierungsprojekte mit 7,7 Mio. EUR aus dem EFRE unterstützt.

Zum Hintergrund: Das Foto zeigt das „Haus der Gladiatoren“. Das Haus befand sich im hinteren Teil der Via Abbondanza, unweit des Amphitheaters. Der Bau wurde in den letzten Jahren vor dem Untergang Pompejis als Versammlungsort für einen paramilitärisch organisierten Jugendclub errichtet. Er galt als nicht besonders einsturzgefährdet. Offiziell werden die starken Regenfälle für den Zusammenbruch verantwortlich gemacht. Diese dürften aber nur der Auslöser der Katastrophe gewesen sein. Die neue Direktorin der Antikenverwaltung von Neapel und Pompeji, Soprintendentin Jeanette Papadopoulos, führt sachkundig Fehlrestaurierungen der Nachkriegszeit als eigentliche Ursache für den Einsturz an. Man hatte damals das Haus mit einer Zementdecke versehen, die von dem leichten antiken Mauerwerk auf die Dauer nicht getragen werden konnte. Vergleichbare Fehlleistungen sind überall in der Stadt festzustellen. Durch sie sind auch wesentlich bedeutendere Bauten wie z.B. die "Villa Imperiale" akut vom Einsturz bedroht.

Auffällig war für mich die Äußerung der Sopriintendentin, dass sie keine Informationen über zusätzliche Finanzmittel habe.

 

Pompeji: Haus der Gladiatoren

 Mehr dazu in einem früheren Beitrag (unten) "Der Verfall von Pompeji" und natürlich in meinem Buch MAGNA GRAECIA, das 2009 erschienen ist.

 

Doch kein Bier bei den Sumerern?

Trotz der Fülle der Fundstücke und Überlieferungen, die auf frühe Vorlieben für Getränke aus vergorenem Getreide hinweisen, ist es schwierig, die alten Methoden der sumerischen Brauer zu rekonstruieren, hat der Wissenschaftshistoriker und Keilschriftexperte Peter Damerow vom Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte in Berlin herausgefunden. In einem Fachartikel hat sich Damerow, der Ende November 2011 in Berlin verstorben ist, ausführlich mit den Bierbrautechnologien der Sumerer befasst. Darin äußert er große Zweifel, ob das in der Antike hochpopuläre Gebräu überhaupt ein Bier gewesen sein könnte.

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Punischer Münzschatz aus dem 3. Jh. v. Chr. im Meer gefunden

 Nach nur wenigen Tagen das erste konkrete Ergebnis: Bei Untersuchungen der versunkenen archäologischen Stätten der Insel Pantelleria wurden circa 600 Bronzemünzen aus dem 3. Jahrhundert v. Chr. gefunden. Der wissenschaftliche Direktor Leonardo Abelli erklärte: "Während der ersten Erkundungen entdeckte der Unterwasserarchäologe Francesco Spaggiari ein kleines Gebiet, in dem Bronzemünzen verstreut waren. Im Laufe der Untersuchungen wurde dann der Münzschatz ans Licht gehoben." Weiterlesen ...

(Archäologie-online - archaeomedia 26.06.2011)

  

Ostia Antica, scoperta una nave romana

Lo scavo del reperto tenuto segreto per un mese: portata alla luce la fiancata di uno scafo ligneo di età imperiale (Quelle: Corriere della sera, 03. Maggio 2011)

Ostia Antica – Römisches Schiff im Hafen von Ostia entdeckt

 Während der Bauarbeiten für eine neue Brücke, die die moderne Stadt Ostia mit dem Flughafen Fiumicino verbindet, haben Archäologen in der Nähe von Ostia ein antikes römisches Schiff entdeckt. Die Nachricht wurde über einen Monat geheim gehalten. Der italienische Kultusminister Giancarlo Galan sagte, dies sei ein sensationeller Fund, der „ihm Gänsehaut mache“. Weiterlesen...

  

Der Verfall von Pompeji

Einst waren die ausgegrabenen Vesuvstädte Pompeji und Herculaneum Zeitkapseln. Heute ist ihre Rettung ein Wettlauf mit der Zeit. Doch der italienische Staat schickt lieber Sponsoren ins Rennen.

 Das charakteristische Pompejanisch-Rot ist so intensiv, dass man die wohlige Sommerhitze Kampaniens zu spüren glaubt. Wäre da nicht die kühle Feuchte im Raum, die frösteln macht. So steht man, die Füße im Schlamm, zu dem sich die steinharte Verschüttungsmasse beim Kontakt mit Wasser auflöst, und staunt einen kleinen Salon (Oecus) der weltberühmten Villa di Papiri in Herculaneum an. Es ist Dienstag, der 12. April. Der Oecus wurde 2009 freigelegt. Gesehen hat ihn, außer Archäologen, noch niemand. Dabei ist er faszinierender als drei Stunden Zeitreise im übrigen Herculaneum: Grazile gemalte Papyrusstengel rahmen Bildfelder, in denen fliegende Putti, Faune und sublime Veduten wechseln. Über einem mehrteiligen Gesims folgt ein Tonnengewölbe. Seine unteren Ränder zieren Stuck-Kassetten mit Fabeltieren und Orientalismen, darüber ein Waffenfries – Harnische, Äxte, Schilde, Schwerter, Helme in klassischem Weiß. Den Scheitel füllen weitere Kassetten. Alle Farben leuchten frisch, als seien sie gestern aufgetragen.

Was uns anmutet wie der Höhepunkt der einstigen Residenz der Pisonen (ihr Oberhaupt war Caesars Schwiegervater), war zu Lebzeiten Herculaneums Beiwerk. Denn der Oecus ist einer von sieben gleichgroßen, die sich auf eine säulengesäumte Terrasse mit Meeresblick öffneten. Ihr Zentrum war höchstwahrscheinlich ein noch verschütteter Prunksaal.

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Pompeji: Casa di Mysterii

 Pompeji - Casa di Mysterii (eig. Foto)

 

 

 

 

Norbert A. Przesang | autor@antike-briefe.de
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